Press Reports

Mondcivitaner auf der Suche nach Wegen in die Zukunft

Sommerkonferenz mit Teilnehmern aus ganz Europa

Trossingen. Aus London kam Dr. Hugh Schonfield, Präsident der weltweiten „Mondcivitaner“, der überparteilich und frei von kirchlichen Bindungen Modelle zur Lösung menschlichen Zusammenlebens in unserer Zeit erarbeitenden Weltbürger-Organisation, zur Sommerkonferenz nach Trossingen. Mondcivitaner aus zahlreichen Ländern Europas, darunter auch aus der DDR und aus Israel, trafen sich zunächst zu einer englisch-sprachigen Konferenz in Trossingen, die teils auch in Aldingen ablief und an die sich dann eine deutschsprachige Konferenz anschloß.

Nicht zufällig fand die Sommerkonferenz 1975 in Trossingen statt: Ein besonders engagierter Mondcivitaner der deutschsprachigen Sektion ist Willi Haller aus Aldingen. Gründer des Unternehmens Interflex Gleitzeit in Durchhausen, das auf der Unternehmens-Grundlage eines Mondcivitaner-Modells arbeitet. In Trossingen wird auch ein anderes wirtschaftliches Modell entwickelt: die von dem Londoner Stephen Engelking gegründete Mondcivitaner Boutique, die inzwischen zu einer kleinen „Kette“ wird mit Filialen in Rottweil und Tuttlingen. Diese Boutique bezieht ausnahmslos Waren aus der Dritten Welt, aus Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika, und ein Drittel des Gewinns fließt als Entwicklungshilfe in diese Gebiete zurück. Die restlichen zwei Drittel werden als Gewinnbeteiligung unter den Mitarbeitern und den Kapitalgebern aufgeteilt. Auch bei Interflex in Durchhausen stehen Arbeit und Kapital gleichberechtigt nebeneinander: Je ein Drittel des Gewinns für die Mitarbeiter und für das Kapital, das dritte Drittel für soziale Zwecke. Die Mondcivitaner Boutiquen wollen zeigen, wie durch den Ruckfluß von Gewinnanteilen an die Hersteller in der Dritten Welt deren wirtschaftliche Ausbeutung verhindert werden kann. Und bei Interflex wird ein Beispiel dafür geliefert, wie man in einem Unternehmen Lohnkonflikte vermeidet. Die Mitarbeiter sind an allen Entscheidungsprozessen beteiligt, auch an der Festsetzung der Gehälter. In diesem Jahr will Interflex mit seinen Zeiterfassungsgeräten auf einen Umsatz von fünf Millionen Mark kommen.

Bemerkenswert bei Interflex ist der mit dem eigenen Mitbestimmungsmodell und der gruppen-dynamischen Betriebsstruktur gekoppelte Abbau alter Hierarchien. Bestimmt wird nicht von oben nach unten, sondern gemeinsam in der Gruppe. Die Erfahrungen im ersten Jahr seit der Firmengründung haben gezeigt, daß Schwierigkeiten auftauchen, um gelöst zu werden: Ein Modell fällt nicht vom Himmel, sondern muß entwickelt werden.

Neben Berichten über die modellhaften Unternehmungen Mondcivitaner Boutique und Interflex Gleitzeit, die Stephen Engelking und Willi Haller abgaben und im lebendigen Gespräch mit den Konferenzteilnehmern Rede und Antwort standen und aufkommende Mißverständnisse klären, wurden zahlreiche Fragen der Gesellschaftsstruktur von heute und morgen erörtert, so Möglichkeiten des praktischen Abbaus von Konfliktstoffen, etwa in Nahost. Auch wurde berichtet über interessante „weiche Technologien“, die von Mondcivitanern erforscht werden, beispielsweise die umweltfreundliche und energiesparende Gewinnung von Kupfer durch den Einsatz von speziellen Bakterien, die aufbereitetes Kupfererz „auffressen“ und das Kupfer ausscheiden. Solchen futuristisch anmutenden Methoden, die der allzubald notwendig werdenden Einsparung elektrischer Energie entgegenkommen, räumen Fachleute durchaus Chancen ein.

Die verschiedenartigen Aktivitäten der Mondcivitaner zeigen an, worum es ihnen geht: Sie wollen weniger ideologisch als Weltverbesserer wirken als praktisch. Sie glauben, daß man keine Chance hat, die Gesellschaft von morgen aus dem drohenden Dilemma der Konfliktsituationen durch Hunger, Armut, Energiemangel und lebensbedrohenden Umweltverschmutzung herauszuführen, wenn man mit versponnenen oder fanatischen Ideen auftritt oder wenn man nur Macht und Gewalt einsetzt. Die Mondcivitaner Republik, in keiner Landkarte zu finden, weil sie ein über Grenzen hinweg arbeitendes Gemeinwesen opferbereiter denkender Menschen ist, will keine
Massenbewegung werden. Man wird nicht Mitglied, indem man einen Aufnahmeantrag stellt und Beitrag zahlt. Mitglied wird man nur, indem man vorbehaltlos und ohne Rücksicht auf Nationalität, Hautfarbe und Religion an den Lösungen für ein besseres Zusammenleben der Menschen mitarbeitet. Den Durchbruch erfolgreich erarbeiteter Modell erhoffen sich die Mondcivitaner weniger von Werbefeldzügen oder eine Lobby in Parlamenten öder Industrie, sondern durch die Überzeugungskraft der Funktionstüchtigkeit. Die Mondcivitaner wären nicht eifersüchtig oder böse, wenn andere ihre Ideen und praktischen Lösungen übernehmen würden.

Hugh Schonfield bezeichnete die weltweite „Republik“ der Moncivitaner (Weltbürger) als eine „dienende Nation“. Er entwickelte vor der Konferenz die Idee einer Kolonisation nach innen, in die Gesellschaft hinein. In früheren Jahrhunderten sei man bei sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Konflikten ausgewichen durch Auswanderung und Erschließung neuer Kontinente. Eine solche Flucht sei heute nicht mehr möglich. Für die Menschheit biete sich im Zeichen weltweiter Spannungen nur die Alternative zwischen Chaos und friedlicher Veränderung. Und zum zweiten Weg wolle die Mondcivitaner-Organisation einen Beitrag leisten.

Im nächsten Jahr soll eine Weltkonferenz in Luxemburg die Gespräche weiterführen und aufzeigen, wie weit man inzwischen auf der Suche nach Wegen in die Zukunft gekommen ist.

(Schwarzwälder Bote 29.8.1975)

Aus London kam Präsident Dr. Hugh Schonfield

Sommerkonferenz der Mondcivitaner in Trossingen
Internationale Organisation weitet sich aus

TROSSINGEN. Teilnehmer aus Ländern Europas, darunter auch einer aus der DDR, trafen sich zur Sommerkonferenz 1975 der Mondcivitaner-Republik für einige Tage in Trossingen und Aldingen. Diese internationale Organisation, die Anhänger in aller Welt hat, weitet sich vor allem in der Bundesrepublik immer mehr aus. Die Mondcivitaner, deren Republik auf keiner Land karte zu finden ist, verstehen sich als „Dienende Nation“, deren Aufgabe es sein soll, Lösungen zu finden für eine „Gesellschaft von morgen“. Da auch über das Nahost-Pro blem beraten wurde, waren auch Mondcivitaner aus Israel zu der Konferenz gekommen, die jetzt zu Ende gegangen ist.

Daß die Konferenz ausgerechnet im kleinen Trossingen stattgefunden hat, ist kein Zufall. Engagierter Mondcivitaner ist Willi Haller aus Aldingen, der mit dem Unternehmen Interflex in Durchhausen nahe der Musikstadt versucht, ein Modell im wirtschaftlichen Bereich zu entwickeln, das ebenso wie Modelle in anderen Bereichen beispielhaft darstellen soll, wie anstehende Probleme gelöst werden können. In den Bereich Wirtschaft fällt ebenso die von dem Londoner Stephen Engelking in Trossingen gegründete Mondcivitaner-Boutique in der Emst-Hohner-Straße, die inzwischen bereits Ableger in Rottweil und Tuttlingen hat.

Vielleicht läßt sich gerade am Modell der Mondcivitaner-Boutiquen am anschaulich-sten erläutern, worum es der „Dienenden Nation“ geht: Die zum Verkauf bestimmten Waren stammen ausnahmslos aus der sogenannten Dritten Welt, also aus Afrika, dem Mittleren und Femen Osten oder aus
Südamerika. Jeder, der bei den Boutiquen mitarbeitet, ist am Gewinn beteiligt, einen weiteren Teil des Gewinnes ist für das Kapital (oder die Kapitalgeber) bestimmt, das den Aufbau des Unternehmens ermöglicht hat Ein volles Drittel des durch den Verkauf erzielten Gewinnes fließt aber in die Dritte Welt zurück, an die Hersteller der Waren. Auf diese Weise will man bei den
Mondcivitanem modellhaft darstellen, wie die wirtschaftliche Ausbeutung der Dritten Welt verhindert werden kann.

Ähnlich ist es mit dem Unternehmen Interflex in Durchhausen, das vor allem Zeiterfassungsgeräte herstellt und dieses Jahr einen Umsatz von fünf Millionen Mark erreichen soll. Von Interflex fließt zwar das letzte Drittel des Gewinns nicht unbedingt in die Dritte Welt, sondern allgemein sozialen Zwecken zu, die mit dem Unternehmen Interflex nichts zu tun haben. Dadurch, daß die Mitarbeiter bei Interflex ebenso wie das Kapital am Gewinn beteiligt sind, soll modellhaft dargestellt werden, wie in einem Unternehmen Lohnkonflikte vermieden werden können. Denn schließlich schmälert
ja ein höherer Lohn der Mitarbeiter wieder die Gewinnmarge. Andererseits sind alle Mitarbeiter an praktisch allen Entscheidungsprozessen beteiligt, auch an der Festsetzung der einzelnen Gehälter, um nur ein Beispiel zu nennen. Innerhalb des Unternehmens wird ferner versucht, nicht hierarchisch zu handeln, sondern ausschließlich in Teamarbeit. Daß dabei Schwierigkeiten
auftauchen ist nicht nur selbstverständlich, sondern sogar willkommen. Schließlich ist auch Interflex ein Modell, das entwickelt sein will, auch wenn die ersten zwölf Monate gut verlaufen sind.

Daneben beschäftigt sich ein Zweig des Unternehmens mit sogenannten weichen Technologien, mit Verfahren, Arbeitsprozessen, die sowohl umweltfreundlich als auch energiesparender vonstatten gehen. Als Beispiel diene hier ein von ausländischen Wissenschaftlern entwickeltes Verfahren, nach dem Kupfererz nicht mehr in einem aufwendigen Prozeß, der vier Energie verschlingt, aufbereitet wird. In dem angesprochenen Verfahren werden vielmehr Bakterien eingesetzt, die das Kupfererz regelrecht auffressen und reines Kupfer ausscheiden.

Durch die angeführten Beispiele von Unternehmungen der Mondcivitaner wird eines deutlich: Es handelt sich nicht um versponnene oder gar fanatische Weltverbesserer, sondern um Praktiker, die nach Wegen suchen, nach Lösungen, die herausführen aus dem Dilemma, in das die Welt gegenwärtig zu steuern droht. Gemäß ihren Grundsätzen lehnen die Mondcivitaner auch eine Massenbewegung unter ihrem Namen ab, mit deren Rückhalt über die bestehenden Machtstrukturen eigene Ideen durchgesetzt werden könnten. Sie wollen vielmehr „nur“ Modelle erarbeiten, die hinsichtlich ihrer Funktionstüchtigkeit so überzeugen, daß sie auch ohne irgend eine Lobby zum
Durchbruch kommen.

Präsident Dr. Hugh J. Schonfield, London, erläuterte die Prinzipien der „Dienenden Nation“ im einzelnen. Sie werden wesentlich bestimmt durch den Hintergrund einer Welt, die „keine Möglichkeit zur Flucht“ mehr bietet. Früher sei es beispielsweise möglich gewesen, bei bedrohenden politischen oder wirtschaftlichen Verhältnissen, aüszuwandem, ganze neue Kontinente zu erschließen. Heute biete sich nur die Alternative Chaos oder Veränderung auf friedlichem Wege. Diesem Gedanken haben sich die Mondcivitaner verschrieben.

Mondcivitaner wird man nicht durch einen Mitgliedsbeitrag, die „Weltbürger,, kennen keine Karteileichen. Es genügt auch nicht die Überzeugung, „daß es so nicht mehr weitergehen kann“. Mondcivitaner werde einer (oder eine), der sich vorbehaltlos, auch ohne Rücksicht auf nationale oder religiöse Interessen, der tatkräftigen Mitarbeit an Lösungen für ein besseres Zusammenleben aller Menschen befleißigt, betonte Schonfield. Mitarbeiter der „Dienenden Nation“ gibt es in aller Welt und auf allen Kontinenten. Nächstes Jahr wird vorauslichtlich in Luxemburg eine Weltkonferenz der Mondcivitaner sein.

(Trossinger Zeitung 29.8.1975)

Sie kommen auf leisen Sohlen und zwingen niemand zu ihrem Glauben: Mondcivitaner

Tuttlingen. Sie kommen lautlos. Sie fordern nicht, sie drängen sich niemandem auf. Sie wollen nur dasein, dem Menschen dienen, ihm helfen. Keiner muß ihren Glauben annehmen. Aber sie sind da. Auch in Tuttlingen. Und sie strecken ihre Fühler aus. Nach unserer Jugend. Bis 50.

Ihr Symbol ist das Kamel, ihre wirtschaftliche Grundlage schaffen, sie sich in ihren Boutiquen durch Verkauf von Kleidern, die zum Teil aus Entwicklungsländern stammen: Die Mondcivitaner. Ihnen genügt es, will man mit ihnen eine neue Gesellschaft schaffen. Sie selbst aber wollen keine feste politische oder religiöse Organisation sein.

Lose gruppiert. Das ist es, was sie vom Christentum unterscheidet: Die Amtsikirche ist ein festgefügtes Gebilde, sie fordert ihre Mitglieder. Jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen, regelmäßig beten, sich „Vorschriften“ beugen. Damit hält sie sich zwar an die Gebote Gottes, aber bei jungen Menschen stößt sie in der heutigen Zeit oft auf Ablehnung. In einer Zeit, in der der Westen glücklicherweise von Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen verschont geblieben ist, fehlt ihnen daheim die „Nestwärme“, mangelt es oft am Vorbild der Eltern und Erwachsenen, die ihren Glauben überzeugend Vorleben.

Während nun die Kirchen noch am richtigen Konzept basteln, um an die Jugend heranzukommen — und ihr in den letzten Jahren schon nähergekommen sind — stoßen die sogenannten Jugendreligionen in die Marktlücke: Sie bieten den jungen Menschen Geborgenheit, Kameradschaft und ein Ziel; weisen aber die meisten dieser Organisationen mehr oder weniger eine militante Struktur auf, wollen die Mondcivitaner — das Wort ist der Esperantosprache entlehnt und bedeutet „Weltbürger” — das genaue Gegenteil vieler anderer Jugendreligionen sein.

Sie wollen niemanden überreden, sie verlangen nicht einmal, daß einer seine Religion aufgibt, um sich ihnen anzuschließen. Er muß sich nicht nur an die sieben Grundsätze der „Mondcivitaner Republik“ halten. In ihnen heißt es unter anderem: „Niemand gilt als Feind, ist doch der Verzicht auf Feindbilder entscheidend für die Förderung der Verständigung zwischen einzelnen, Gruppen und Nationen, während Diskriminierung und Verteufelung anderer Haß, Grausamkeit und Unmenschlichkeit zuläßt und fördert.“ Niemand gilt ihnen als Fremder oder als Minderwertiger. Nur eines darf ein Mondcivitaner nicht: sich an Kriegen oder kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligen. Trotz Frieden in der westlichen Welt ein Wunsch vieler Jugendlicher. Auch die Amtskirche befürwortet keinen Krieg, doch in 2000 Jahren Christentum hat sie noch kaum einen verhindern können. Die Mondcivitaner wollen es. Jedenfalls dem Wort nach.

Ansonsten zählt für sie das Wort wenig. „Sagen kann man viel“, meint Stephan Engelking, „es kommt darauf an, was man tut.“ Stephan, wie er von den Mondcivitanern im Kreis Tuttlingen bei seinem Vornamen gerufen wird, stammt aus London, deutschstämmig und leibt mit seiner Frau seit zwei Jahren im Kreis Tuttlingen. Er ist der „Boß“ der sechs Mondcivitaner-Boutiquen in Süddeutschland: Außer in Tuttlingen (Waaghausstraße 16) in Trossingen, Schramberg, Rottweil, Balingen-Engstlatt und Freiburg.

„Ich bin der Boß“, sagt er, „aber eigentlich brauchen wir das gar nicht. Die Verkäuferinnen führen die jeweilige Boutique vollkommen selbständig. Wie zum Beispiel Karin hier in Tuttlingen. Sie kann allein entscheiden, was sie tut, wenn es falsch läuft, merkt sie es selbst zuerst an ihrem Geldbeutel. Druck ausgeübt wird nicht, wir diskutieren und geben Hilfestellung.“

Die Boutiquen sind der erste Schritt zur eigenen „Republik“: Audi Stephan, der Boß, verdient nicht mehr als die anderen. Wenn sie einmal Gewinn erzielen sollten, wollen sie ein Drittel davon für Sozial- und Entwicklungsprojekte abzweigen. Zweiter Schritt soll dann gezielte Arbeit auf den Sektoren Bildung und Kunst sein. Und schließlich will man auch in der Landwirtschaft — als Teil der neuen Gesellschaft — andere Grundsätze einführen. Stephan: „Wir experimentieren schon mit Erfolg, Wir wollen auf biologischer und nicht auf chemischer Basis arbeiten,“

Endziel ist, wie gesagt, die „neue Gesellschaft“. Eigentlich ein Urziel der Menschheit, meinen die Mondcivitaner. Denn, und zu dieser Überzeugung ist der Engländer Hugh Schonfield gekommen, dessen „Jünger“ sie sind: Jesus war nicht der Sohn Gottes, sondern ein Mensch, ein Messias, von Gott gesandt. Er wa.r Jude „durch und durch“ und wollte keine neue Religion gründen. Er hatte zwar von Gott einen bestimmten Plan für die Menschheit bekommen, wollte dafür aber nicht am Kreuz sterben. Der leise, aber unübersehbare Vorwurf an die Christen: Statt im Sinne Jesu eine neue Welt zu schaffen, haben sie nur eine neue Religion geschaffen, die mit Kraft und Macht die Menschen von oben nach unten regiert. Jesus aber habe die Menschen eben davon frei machen wollen. Konsequenz: Die messianische Bewegung, die Christus vor 2000 Jahren schon wollte, fehlte — bis die Mondcivitaner kamen.

Sie wollten mit Mitgliedern aller Religionen eine Nation entwickeln, die dem Menschen dient. Eine von der Religion gesteuerte Nation, wobei aber das Schwergewicht auf Nation und nicht auf Religion liegt. Um dieses Ziel zu erreichen, muß sich der Mensch selbst verändern, er muß aber gleichzeitig eine neue Gesellschaft auf neuen Grundlagen bauen.

Dieser „Bau“ wird zwar von der Mondcivitaner-Zentrale in London koordiniert, sie kann auch Bescheinigungen ausstellen, daß jemand dieser Bewegung zugehört. Dies aber ist Nebensache und eine „Befehlsgewalt“ wird London ausdrücklich nicht zuerkannt. Jede Gruppe ist autonom. Die süddeutsche Gruppe trifft sich mehr oder weniger regelmäßig in der
Trossinger Wohnung von Stephan Engelking. Dann gibt es ein „tolles Essen“ (so eine Teil-
nehmerin), meistens etwas, was Deutsche nicht kennen, und dann wird über die „Lehre“ der Mondcivitaner diskutiert. Wobei als Mondcivitaner schon der gilt, der bereit ist, an einer neuen Gesellschaft im Sinne dieses „Messias Jesus“ mitzuarbeiten.

V. Turad Tuttlinger Zeitung Samstag 21.8.1976

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